09:03h, Dienstag 04.12.2007
Bürgerinitiative Mönkeloh e.V.
Gutachten der KMG "unbrauchbar"
Paderborn. Macht der geplante Müllofen auf Mönkeloh die Menschen krank? Für die "KMG Kraftwerksgesellschaft Mönkeloh GmbH & Co. KG" und deren Gutachter, den Umwelt-und Hygienemediziner Prof. Dr. Thomas Eikmann von der Universität Gießen, sind die Schadstoffe aus dem MVA-Schornstein irrelevant und unbedenklich. Doch das sieht der Toxikologe Dr. Hermann Kruse von der Universität Kiel ganz anders. Der Experte für Vergiftungen hat die Unterlagen der KMG überprüft und bezeichnet das "Umweltmedizinisch- humantoxikologische Gutachten Heizkraftwerk Mönkeloh" als derart mangelhaft, dass es für eine Beurteilung der Gesundheits-risiken durch eine MVA letztlich unbrauchbar ist.
Die Erstellung eines Gesundheits-Gutachtens hatte KMG-Geschäftsführer Carsten Stratmann lange abgewehrt. Erst als der Widerstand gegen den geplanten Müllofen immer größer wurde, dachte die KMG um und beauftragte Dr. Eikmann. Das Ergebnis des bei Umweltverbänden und Bürgerinitiativen seit Jahren einschlägig bekannten Gutachters ist eine "Lobeshymne" auf die technisch minderwertige Billig-MVA, so wie es die KMG erwarten durfte.
Die Bürgerinitiative Mönkeloh e.V. beauftragte daraufhin den Toxikologen Dr. Kruse mit einer Überprüfung des Gutachtens. Das Urteil des Experten für Vergiftungen aus Kiel ist deutlich: "Das vorgelegte Gutachten hat so erhebliche Mängel, dass es für die Beurteilung der humantoxikologischen Auswirkungen der Anlage Mönkeloh unbrauchbar ist." In der Folge zählt Dr. Kruse seitenlang die Versäumnisse in dem von der KMG vorgelegten Gutachten auf.
Unakzeptabel ist für den Toxikologen, dass in Paderborn keine Vorbelastungsmessungen gemacht worden sind und die Angaben zur Schadstoffvorbelastung lediglich auf groben Schätzungen basieren. "Die Verwendung von Daten aus Bielefeld, Kassel etc. gibt die reale Belastungssituation an den Monitoringpunkten in Paderborn nicht wieder," so die Kritik von Dr. Kruse am Vorgehen des Gutachters. "Nur Messungen lassen eine gewissenhafte humantoxikologische Bewertung zu. Alles andere ist wissenschaftlicher Unfug", stellt der Toxikologe aus Kiel klar.
Nicht dokumentiert sei der Gesundheitszustand der Bevölkerung, was zum Beispiel durch Einschulungsuntersuchungen oder Informationen aus Paderborner Arztpraxen durchaus möglich sei, so Dr. Kruse. Zudem seien Dutzende giftiger Stoffe, die nachweislich aus einer MVA emittiert werden, im Gutachten überhaupt nicht berücksichtigt, ebenso Kombinationswirkungen von Schadstoffen. "Es reicht nicht aus, nur administrative Grenzwerte für Einzelstoffe zu betrachten", so Dr. Kruse, zumal im Gutachten eingeräumt wird, dass die Wirkschwellen einzelner Stoffe zum Teil deutlich niedriger sind als die Grenzwerte. Umso unverständlicher ist es für den Experten aus Kiel, dass der Gutachter der KMG sich an politisch festgesetzten Grenzwerten orientiert.
Als gravierendes Versäumnis bezeichnet Dr. Kruse, dass der Gutachter sich nicht mit Gesundheitswirkungen über die Nahrungskette auseinandersetzt, die wesentlich größer sein könnten als eine Schadstoffaufnahme aus der Luft. Als Beispiel verweist der Toxikologe auf Dioxine/Furane, bei denen die Belastung über Nahrungsmittel bis zu 400 mal höher ist als durch die Aufnahme aus der Luft.
Wer sich näher über die Gesundheitsrisiken der geplanten MVA informieren möchte, hat dazu am Montag, 10.12., ab 19.30 Uhr Gelegenheit. Dann berichtet der Toxikologe Dr. Hermann Kruse auf Einladung der Bürgerinitiative Mönkeloh e.V. unter dem Motto "Macht eine MVA auf Mönkeloh uns krank?" in der Aula des Paderborner Gymnasiums "Theodorianum" über seine Kritikpunkte am Gesundheits-Gutachten, das die KMG vorgelegt hat.
Die Bürgerinitiative Mönkeloh e.V. hofft, dass sich vor allem Ärzte und Apotheker aus Paderborn und Umgebung aktiv an der Diskussion über die Gesundheitsgefahren einer MVA beteiligen.
marcus.kaiser
Der Beitrag wurde am Dienstag, dem 04. Dezember 2007 um 09:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter Startseite, Lokales abgelegt.
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