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17:16h, Dienstag 01.07.2008
Lebhafte Auseinandersetzung über Germanendarstellung

Paderborn bringt Diskussion voran


Paderborn (IP). "Ich werde das Thema in unsere Museumsfachverbände bringen", versprach Dr. Ellen Schwinzer. Die Leiterin des Gustav-Lübke-Museums Hamm zog damit ihr Fazit aus einer lebhaften Diskussion im Neuhäuser Bürgerhaus. Fast 200 Teilnehmer, davon ein Großteil Ausstellungsmacher und Archäologen, diskutierten zum Thema "Lebendige Wissenschaft oder verdeckte Propaganda? Germanendarstellung zwischen experimenteller Geschichtsforschung und völkischem Gedankengut". Brisanz hatte die im Rahmen der Ausstellung "Eine Welt in Bewegung" geplante Podiumsdiskussion durch einen Vorfall am Eröffnungswochenende der Ausstellung bekommen. Dort war bei einem Akteur der Mittelaltergruppe "Ulfhednar" während der Aufführung im Innenhof des Marstalls auf dem Bauch eine Sütterlin-Schrift-Tätowierung mit dem SS-Leitspruch "Meine Ehre heißt Treue" zu lesen. Der Akteur, der nicht Mitglied der Gruppe "Ulfhednar" ist, hat sich inzwischen öffentlich dafür entschuldigt.

"Der Akteur tritt nicht weiter für uns auf. Wir haben sicher Fehler gemacht, aber mit uns kann man reden" versicherte Arian Ziliox, Leiter der Gruppe, und bestritt jegliche Nähe zu Rechtsradikalismus und Rassismus. Dem widersprachen Karl Banghard, Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen und Prof. Dr. Uta Halle, Landesarchäologin aus Bremen. Banghard kritisierte die fehlende historische Präzision der Gruppe und machte diese anhand von mehreren Beispielen deutlich. So unter anderem Hakenkreuzabbildungen, die nicht der frühmittelalterlichen Wirklichkeit entsprechen. Prof. Halle erinnerte daran, dass solche Gruppen, die vor einem breiten Publikum auftreten, ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung genügen müssen. Es sei wichtig, dass man darüber öffentlich diskutiere und deshalb sei diese Veranstaltung auch wichtig, so Prof. Halle, der Prof. Dr. Wilfried Menghin, ehemaliger Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, in dieser Aussage beipflichtete. Prof. Menghin unterstrich, dass Enthusiasten dieser Art (gemeint war die Gruppe Ulfhednar - der Red.) für eine lebendige und anschauliche Präsentation von Geschichte sehr wichtig sind. Als "hoch brisant" wertete Harald Baer von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm das, was mit der Symbolik transportiert werden kann. Das Hakenkreuz sei immer auch mit Verbrechen verbunden, es könne nicht ohne diese Inhalte, beispielsweise als Sonnenrad oder Glückssymbol verwendet werden.

Auf die von Moderatorin Christiane Poertgen zum Abschluss gestellte Frage, wie das so genannte Reenactment (Neuinszenierung der Geschichte durch Gruppen) ideologiefrei gestaltet werden kann, gab es keine schlüssigen Antworten. Klar war nur, dass dies weiter öffentlich diskutiert werden muss. Paderborn war mit dieser Veranstaltung ein wichtiger Schritt in dieser Richtung.

Foto (Stadt Paderborn/Reinhardt): Diskutierten im Neuhäuser Bürgerhaus: (v.l.) Moderatorin Christiane Poertgen, Harald Baer, Karl Banghard, Prof. Dr. Uta Halle und Prof. Dr.Wilfried Menghin.



marcus.kaiser

Der Beitrag wurde am Dienstag, dem 01. Juli 2008 um 17:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lokales abgelegt.


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