13:12h, Mittwoch 28.10.2009
Impfaktion gegen die Neue Grippe ist gestartet
Appell an Hausärzte, ihre Patienten zu impfen
Kreis Paderborn (krpb). Im Kampf gegen die so genannte Schweinegrippe ist auch im Kreis Paderborn die Impfaktion gestartet. Geimpft werden in dieser Woche zunächst medizinisches Personal sowie die Beschäftigten von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten einschließlich der Hilfsorganisationen durch die jeweiligen Betriebsärzte. Im Paderborner Kreisgesundheitsamt wurde am Montag lediglich das eigene medizinische Personal geimpft. Die Behörde sorgt in erster Linie für die Verteilung des Impfstoffs.
5.500 Impfdosen stehen in dieser Woche zur Verfügung, 1.700 Portionen sind bislang bestellt. Auch Kreisgesundheitsamtsleiter Dr. Georg Alles ließ sich den im Bundesgebiet überwiegend zum Einsatz kommenden Wirkstoff Pandemrix spritzen. "Für mich ist die Impfung selbstverständlich. Ich möchte niemanden anstecken und mich selbst schützen", so der Mediziner. Was er empfehle, nehme er auch selber.
Angst vor Nebenwirkungen hatte er bei dem kleinen Pieks nicht. Bislang seien teilweise Reizungen an der Einstichstelle, erhöhte Temperatur, gelegentlich Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen beobachtet worden. Dagegen stehe das Risiko, in den kommenden Wochen an der Neuen Grippe zu erkranken, meint der Amtsarzt. Niemand könne derzeit vorhersagen, ob diese auch weiterhin moderat verlaufen werde. "Ich habe lieber Fieber nach einer Impfung mit abgetöteten Viruspartikeln als durch echte Grippeviren", so Alles. Die Listen mit den bislang 60 registrierten Impfärzten im Kreisgebiet werden auf den Kreisseiten unter (www.kreis-paderborn.de ) veröffentlicht und ständig aktualisiert. Die Bürger können dort ab sofort anrufen und einen Impftermin vereinbaren. Es impfen jedoch wesentlich mehr Hausärzte als offiziell registriert. Im Zweifel lohnt sich immer erst der Anruf beim eigenen Hausarzt.
Das Bundesgesundheitsministerium rät allen Bürgern zur Impfung. Da der Impfstoff aber nur nach und nach zur Verfügung steht, sollen ab kommender Woche zunächst die besonders gefährdeten Personen immunisiert werden. Dazu zählen Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Immungeschwächte sowie Schwangere, bei denen in der Vergangenheit besonders schwere Verläufe beobachtet wurden. Das Paul-Ehrlich-Institut sieht auf Grund der aktuellen Datenlage keine unmittelbar erkennbare Gefährdung Schwangerer durch die derzeit verfügbaren Pandemie-Impfstoffe mit Wirkverstärker. Eine Impfung sei daher nach angemessener Nutzen-Risiko-Abwägung, z.B. bei Schwangeren mit schwerer Grunderkrankung oder erhöhtem Infektionsrisiko (Beruf, weitere Kinder im Haushalt), sinnvoll. Für Schwangere besteht aber auch die Möglichkeit, auf den von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Impfstoff ohne Wirkverstärker zu warten. Allerdings kann keine genaue Zeitschiene benannt werden, wann dieser zur Verfügung steht. Experten gehen davon aus, dass er Ende November erhältlich sein könnte.
Das Kreisgesundheitsamt setzt auf das Prinzip "Impfung durch den Hausarzt". "Der Hausarzt kennt seine Patienten am besten", so Alles. Der leitende Amtsarzt hält es aus medizinischer Sicht für unglücklich, Patienten zu einem fremden Arzt zu schicken. Er appelliert an die Hausärzte im Kreisgebiet, ihre Patienten zu impfen und betont, dass die Ärzte sich jederzeit auf die Liste setzen und auch wieder streichen lassen können. Außerdem könne jeder Hausarzt beim Kreisgesundheitsamt für seine Patienten Impfstoff bestellen, auch wenn er nicht auf der Liste steht. Geliefert wird der Impfstoff in Ampullen mit jeweils 10 Portionen, die erst nach Anbruch innerhalb von 24 Stunden verbraucht werden müssen. Somit müssen die Arztpraxen immer 10 Patienten in der Gruppe impfen.
Bestellt werden können aber auch kleine Vorräte: Ungeöffnet können die Ampullen über Monate im Kühlschrank gelagert werden, so dass die Praxen auch bei größerer Nachfrage gewappnet sind. Die Amtsärzte gehen davon aus, dass die Impfbereitschaft in den kommenden Wintermonaten bei steigenden Fallzahlen größer wird. Bereits jetzt ziehen die Zahlen merklich an. Offiziell sind im Kreis Paderborn seit Ausbruch 209 Menschen an der Neuen Grippe erkrankt (Stand: 27. Oktober). Die Dunkelziffer dürfte über dem Zehn- bis Hundertfachen liegen. Für Bürgeranfragen hat Call NRW, das Bürger- und Servicecenter der Landesregierung, eine Hotline geschaltet. Sie ist wochentags von 8 und 18 Uhr unter 01803/100 210 (9ct./Min, abweichende Tarife aus Handynetzen) zu erreichen. Zusätzlich wurde unter der Adresse www.neuegrippe.nrw.de eine Internetseite eingerichtet.
Weitere Informationen zur Neuen Grippe mit vielen weiterführenden links im Internet unter www.kreis-paderborn.de . Dort ist auch eine Information mit den häufigsten Fragen und Antworten zur Neuen Grippe zu finden.
Foto: "Impfung ist der beste Schutz gegen die Neue Grippe": Dr. Georg Alles (links im Bild) lässt sich von seinem Kollegen Dr. Ernst-Birger Bolle impfen.
alfred.schumacher
Der Beitrag wurde am Mittwoch, dem 28. Oktober 2009 um 13:12 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lokales, Startseite abgelegt.
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