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11:13h, Montag 29.12.2008
Pilotprojekt:

Deutsch lernen kann Spaß machen


Paderborn/Schloß Neuhaus. In den Schlosswerkstätten in Schloß Neuhaus findet in Zusammenarbeit mit der Paderborner "Sprachwerkstatt" ein bundesweites Pilotprojekt statt: Deutschunterricht für behinderte Beschäftigte, die aus Migrationsfamilien stammen. Die Bilanz der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Maßnahme ist nach einem knappen Jahr sehr positiv.

 

Yordanka lächelt und legt los. Aus ihr sprudeln die deutschen Worte nur so heraus, manchmal stimmt die Grammatik nicht ganz, aber das ist egal. Die anderen im Kurs, die zusammen mit Yordanka Deutsch lernen, schauen respektvoll zu: Deutsch lernen kann Spaß machen.

Die junge Frau ist erst vor einigen Jahren aus Kuba nach Deutschland zu ihrer Schwester gezogen. Nach dem Tod ihrer Eltern hätte sie dort nicht alleine bleiben können. Yordanka ist behindert, sie ist ein Mensch mit Down Syndrom. Deshalb wurde sie irgendwann auch Mitarbeiterin in den Schlosswerkstätten, einer Einrichtung des Caritas Wohn- und Werkstätten im Erzbistum Paderborn e.V.  

"Am Anfang haben wir sie überhaupt nicht verstanden", erinnert sich Michael Tack, Leiter des Sozialen Dienstes in den Werkstätten. "Yordanka hat geredet und geredet, aber eben nur spanisch." Die kleine Kubanerin ist kein Einzelfall. Gut ein Viertel der rund 800 Mitarbeiter stammt aus Familien mit einem Zuwandererhintergrund. Gerade sie haben kaum eine Chance, Deutsch zu lernen.

Mit dem Pilotprojekt des Bundesamtes für Integration hat sich das in den Schlosswerkstätten grundlegend geändert. Das Konzept stammt aus der "Sprachwerkstatt" in Paderborn. Das "Institut für Kommunikation, Wirtschaft und Sprache" hatte die Idee für das Verbundprojekt mit dem Schlossswerkstätten und überzeugte auch die Bundesbehörde, die das Geld gibt.

Zwei Mal in der Woche kommt die Sprachwerkstatt-Lehrerin Olga Herlach in die Werkstätten am Merschweg. Dann wird im Team mit maximal acht Teilnehmern gelernt. Sonst sind die Kurse viel größer, doch alles andere würde das "Team-Teaching" von Olga Herlach wesentlich erschweren.

Es geht sehr anschaulich im Unterricht zu. Olga Herlach arbeitet mit Bilderbüchern und Puzzles, erklärt auch schon mal mit Händen und Füßen. Thema sind vor allem Alltagsworte und -situationen: beim Bäcker, im Straßenverkehr, bei der Arbeit. "Es geht darum, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhöhen", sagt Ulrich Piepenbreier, Schulleiter der Sprachwerkstatt. 

Diese praktische Anwendbarkeit ist wichtig. Die  berufliche Förderung ist eine wichtige Aufgabe der  Werkstätten. Viele Mitarbeiter arbeiten auf ausgelagerten Arbeitsplätzen. Dort kommen sie mit Kunden und anderen Mitarbeitern zusammen. "Ohne Sprachkenntnisse geht das nicht", sagt Michael Tack.

Olga Herlach spricht Deutsch und Russisch. Das macht ihr die Aufgabe leichter, weil viele Kursteilnehmer mit ihren Familien aus den Ländern der früheren UdSSR stammen. Einer von ihnen ist Konstantin. Obwohl er nicht in den Schlosswerkstätten arbeitet, kann er problemlos an dem Kurs teilnehmen. Vielleicht ergibt sich aus diesem Kontakt sogar mehr, denn die Schlossswerkstätten haben viele Möglichkeiten, um den freundlichen jungen Mann beruflich zu fördern.

Vorerst aber hört Konstantin gebannt zu, wie Yordanka einfach losredet. Der Sprachkurs gefällt ihr sehr gut. "Muy bien", sagt sie. Und dann erzählt sie vom bevorstehenden Weihnachtsurlaub, erst auf Deutsch, dann zur Sicherheit noch mal auf Spanisch. Doppelt hält besser - und Yordanka würde man immer zuhören, egal in welcher Sprache sie spricht.

 

Foto: Konzentration ist gefragt, wenn Sprachwerkstatt-Mitarbeiterin Olga Herlach in den Schlosswerkstätten Deutsch unterrichtet (v.l. Walentina Soroka, Olga Herlach, Yordanka Gonzales-Ramirez und Konstantin Zhukov).



marcus.kaiser

Der Beitrag wurde am Montag, dem 29. Dezember 2008 um 11:13 Uhr veröffentlicht und wurde unter Startseite, Lokales abgelegt.


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