15:07h, Dienstag 08.12.2009
Gastronomische Institution
Horst Bures ist tot
Paderborn (WS). Der Kneipier Horst Bures, eine feststehende Institution - ja, fast schon ein "Paderborner Original" ist tot. 1971 eigentlich zum Studieren von Wuppertal nach Paderborn gekommen, hatte er sich schnell als Wirt in der ersten Paderborner Studentenkneipe, im PASST (Paderborner sozialer Studentendienst e.V.) engagiert und die Gaststätte am Tegelweg betrieben. Später folgten Stulle, Tuba, Brezel und Lenz.
Nein, man ging nicht ins "Lenz", nein - man ging "zu Horst". Auch wenn er seinen Gästen seine Launen nicht immer verbarg, als eingebürgerter Ostwestfale hat man die, ging man immer gerne zu ihm. Warum war das so? Nun, zum einen wusste wohl jeder Gast nach einer gewissen Zeit, wie man Horsts Launen zu nehmen hatte; zum anderen hatte der Kneipier sehr vielseitige Interessen, wodurch mit jedem Gast ein angeregter Schnack möglich war, sofern das Gespräch Horst mehr Spannung versprach als die Alternative, weiterhin in der "Zeit" oder dem "Spiegel" zu blättern - Zeitungen, die im Lenz immer auslagen.
Eine seiner Leidenschaften galt der Politik. Als Mitglied der SPD-Fraktion war er im Rat der Stadt Paderborn von 1997 bis 1999 und 2002 bis 2004 aktiv. Des Weiteren war Horst Bures nicht nur kulturell sehr interessiert und engagiert. Er bemühte sich in seinen Kneipen, besonders im Lenz, um regelmäßig stattfindende kulturelle Veranstaltungen in Form von Lesungen und Konzerten. Dies zog selbstverständlich auch dementsprechende Kundschaft in seine Kneipen: Für das Ensemble der Kammerspiele beispielsweise ersetzten seine Kneipen "Brezel" und "Lenz" die in Theatern sonst übliche Kantine. Aber auch die Künstler der freien Kulturszene Paderborn trafen sich häufig "bei Horst". So drehte sogar der Lokalkünstler Erwin Grosche - ebenfalls ein "Paderborner Original" - viele Szenen seines Films "Wer der Welt den Atem nimmt" im Lenz und ließ einen Teil des "Thekenteams" in diesem Film auftreten.
Auch zeigte Horst große Begeisterung für Schachspiel, Skat und Doppelkopf. Zeitweise bekleidete er das Amt des Vorsitzenden des Schachvereins Paderborn. Spielten Gäste im Lenz Schach, musste man sich als Bedienung darauf einstellen, unter Umständen ohne Horsts Hilfe auszukommen, da er manches Mal wie gebannt den einzelnen Zügen der Schachspielenden folgen musste und darüber den Dienst beinahe vergaß. Seiner Leidenschaft für Skat ging er jeden Sonntagabend nach. Seinen "Skatbrüdern" servierte er zu diesen Runden gerne auf einem Holzbrettchen angerichtete Köstlichkeiten wie z.B. französischen Käse mit Senf - der Junggeselle weiß sich halt zu helfen. Auch sein Personal beköstigte Horst immer mal wieder mit selbst gemachten Stullen oder Kuchen, die er liebevoll in der Küche anrichtete.
Um bei den Spielen zu bleiben: Horst war Fußball- genauer gesagt: Gladbach-Fan. Bei der Fußball-EM 2008 wollte er auch in technischer Hinsicht nicht zurückstehen. Ohne sich mit der technischen Errungenschaften eines Beamers auszukennen, organisierte er einen solchen samt Leinwand fürs Lenz, damit man bloß kein Spiel versäumen musste. Leider entschwanden jedoch Bild und Ton jedes Mal, sobald ein Bus an der Kneipe vorbeifuhr, was bei Horst zu größeren Wutattacken auf die ihm etwas fremde Welt der modernen Technik führte. Erst als ein Gast auf den Tresen kletterte, den Beamer schlicht und ergreifend richtete, besserte sich der Empfang, was dem Gast ein Freibier und Horst bessere Laune und mehr Gäste einbrachte...
Nur Wenige wissen, dass Horst - in dessen Kneipen man bis zum letzten Tag 80er-Jahre Musik zu hören bekam (viele Gäste und Bedienungen versuchten ihm diese Vorliebe erfolglos auszutreiben) - auch der klassischen Musik zugetan war. Zum Auftakt eines Abends hörte Horst z.B. gerne Beethovens Symphonien und Ouvertüren in voller Lautstärke. Die letzten Gäste des Abends bekamen hingegen neben Horsts Spruch "So Leute - Pippi machen, Zähne putzen, ab ins Bett!" immer mal wieder Händels "Wassermusik" oder Edward Elgars "Pomp and Circumstance" zu hören, mit dem Horst auch seine Liebe zu Großbritannien zum Ausdruck brachte. Diese spiegelt sich darüber hinaus in seiner großzügigen Whisky-Sammlung wieder, die in Paderborner Kneipen ihresgleichen sucht.
Foto: Horst "Bierfix" Bures - ein Lebenskünstler lebt nicht mehr.
alfred.schumacher
Der Beitrag wurde am Dienstag, dem 08. Dezember 2009 um 15:07 Uhr veröffentlicht und wurde unter Lokales, Startseite abgelegt.
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